Faszination Iran

Iran, Isfahan, Naghshe Jahan Square

Von Frankfurt aus fliegen wir mit LH 600 in den Iran nach Teheran, Landung nach 4 1/2 Stunden und fast 4000 km auf dem Iman Khomeini Airport.

Iran

Nach unserer planmäßigen Ankunft auf dem int. Flughafen in Teheran nachts um 1 h ging es erst einmal in unser Hotel, um ein bisschen auszuruhen. Ein Fahrer hat uns abgeholt und nach ca. einer Stunde Fahrzeit sind wir im Mashad Hotel angekommen, welches direkt gegenüber der ehemaligen amerikanischen Botschaft liegt. Zu dieser späten Stunde ist sogar auf dem Highway wenig los und sogar der Wächter am Kassenhäuschen ist eingeschlafen.

Blick auf Teheran

Nach dem Frühstück und einem schönen Blick von der Dachterrasse in die Berge (wie immer mit Fladenbrot, Schafskäse, Gurken, Marmelade und Tee) werden wir von unserem Führer Mehdi Karami abgeholt. Wir schauen uns gleich ein paar prunkvolle Paläste aus der Zeit des Schah an und waren froh, nicht selbst fahren zu müssen. Der Verkehr ist mörderisch, ebenso die Fahrweise. Ich glaube, von den 13 Mio Einwohnern im Großraum Teheran besitzt jeder ein Auto.

Amtszimmer des Schahs von Persien in Teheran

Erstes Ziel ist die Niavaran Palastanlage mit dem Palast Sahe Quaranieh, der Nasserudin Shah als Sommerresidenz errichten ließ und dem Niavaran Palast, den Mohamed Reza Shah in den späten 60er Jahren im modernen Stil erbauen ließ. Hier kann man die Retrokinderzimmer besuchen, im Bad befinden sich noch Abziehbilder von Pipi Langstrumpf. Danach fahren wir weiter zur Saadabad Palastanlage, auf dem Gelände befand sich die erste Sommerresidenz der qajarischen Könige . Insgesamt gibt es 18 Paläste und zuerst besichtigen wir den weißen Palast, welcher von Reza Shah erbaut wurde. 5000 m² Wohnfläche, 54 Raume, Böden und Treppen aus Marmor, ein unglaublicher Prunk. Der grüne Palast wirkt schlichter, beeindruckt jedoch noch immer mit einer exklusiven Innenausstattung aus der Shah Zeit, z.B. im Spiegelsaal. Auf dem Gelände befindet sich auch das Reisemuseum der Brüder Omidvar, die 1954 zu einer zehnjährigen Weltreise aufbrachen. Es wird Zeit für das Mittagessen und wir machen einen Abstecher nach Darband, am Fuße des Berges Tochal (3957 m) gelegen. Darband ist für die Teheraner ein beliebtes Ausflugsziel am Wochenende, der Weg zieht sich durch eine Schlucht, immer am Bach entlang und vorbei an unzähligen Ausflugslokalen. Hier machen wir es uns auf einer Terrasse gemütlich und bestellen Abgusht, einen Eintopf aus Lamm und Kichererbsen. Gegart wird das Ganze im Steintopf, die Brühe wird mit Brot gegessen, das Gemüse und das Fleisch werden zerstampft und dann in Fladenbrot eingerollt.

Darband Ortsteil und Ausflugsziel in Teheran

Bevor es dunkel wird machen wir noch einen Abstecher in das ganz moderne Teheran zum Milad Tower. Der Turm wurde 2008 fertiggestellt und nimmt mit 435 m den vierten Platz im weltweiten Vergleich ein. Von der Aussichtsplattform aus haben wir bei Sonnenuntergang einen grandiosen Rundumblick über diese riesige Stadt.

Milad Tower in Teheran

Am Abend geht unser Flug geg. 21 h vom Inlandsflughafen nach Ahvaz, im Südwesten gelegen, ca. 80 km von der irakischen Grenze entfernt und ca. 1,4 Mio Einwohner. Hier treffen wir auch Sanai, ein Jugendfreund unseres Guide, der ihn beim Fahren unterstützen wird. Die beiden waren ein unschlagbares Team und haben immer gute Stimmung verbreitet. Sanai spricht nur ein bisschen Englisch, aber Karami, der 9 Jahre in Berlin lebte, spricht super Deutsch und hat auch viel übersetzt, so dass wir uns während der ganze Reise richtig unterhalten können. Besonders beim Abendessen sind so auch sehr interessante Gespräche entstanden.

Ahvaz – Shushtar – Choga Zanbil – Susa

Am nächsten Morgen starten wir bei strahlendblauem Himmel und 25 Grad zu unserem ersten Ausflug. Hier sahen wir die ersten Reste einer jahrtausendealten Hochkultur mit Ausgrabungen in Choga Zanbil und Susa sowie die Wassermühlen von Shustar, stets alles kompetent und kurzweilig erklärt. Choga Zanbil, was „“korbförmiger Hügel““ bedeutet, ist eine Tempelanlage, welche zum UNESCO Weltkulturerbe gehört und ca. 1250 v. Chr. erbaut wurde.

Wassermühlen von Shuschtar im Iran

Die Gesamthöhe betrig 52 Meter und war von einer 4 km langen Mauer umgeben. Sogar an die Wasser Ver- und Entsorgung war gedacht. Ca- 113 km von Ahvaz entfernt liegt die Stadt Susa mit dem großen archäologischen Gelände, wo der Palast Darius I. liegt. Diese königliche Residenz wurde um die gleiche Zeit wie Persepolis errichtet und hatte ähnliche Ausmaße. Interessant ist auch unser Ausflug in die Stadt Shushtar am Karun Fluss gelegen . Die Siedlung bestand schon in elamischer Zeit und die Bewässerungssysteme lassen sich bis in die achämenidische Zeit zurückdatieren. Die Brücken und Stäudämme, welche 260 n Chr. mit Hilfe römischer Kriegsgefangener errichtet wurden funktionieren heute noch, so dass die Stadt seit 2009 auch zum Weltkulturerbe gehört. Ein Besuch der über 40 Wassermühlen lohnt in jedem Falle.

Wassermühlen von Shuschtar im Iran

Tempelanlage Chogha Zanbil im Iran

Über das Wetter gibt es im folg. nicht viel zu berichten, Stichwort: Himmel blau ;-)) Ach, wie vermisse ich schon jetzt die Sonne. Im weiteren Verlauf war es nachts natürlich kühler, aber tagsüber hatten wir meist Temperaturen um die 18 Grad und die Sonne wärmte uns immer schön.

Ahvaz – Shiraz

Am folgenden Morgen starten wir früh in Richtung Shiraz, denn wir mussten ca. 600 km zurücklegen und unterwegs noch die alte Ruinenstadt Bishapur besichtigen.

Bishapur, Iran

Ein langer Ritt von fast 12 Stunden, denn hier gibt es nicht durchgängig eine Autobahn. Die Straßen sind jedoch sehr gut ausgebaut, die Autobahnen teilweise sogar dreispurig (so kann man dann rechts und links gleichzeitig überholen…)

Zum Mittagessen gibt es, wie in fast der gesamten Zeit, ein Picknick. Die Iraner lieben solche Picknicks, man sieht sie zur Mittagszeit in allen Parks und auf allen Grünflächen mit Picknickdecke und Thermoskanne. Dazu in einer Bäckerei frisches Fladenbrot gekauft, Schafskäse, ein paar Tomaten oder Trauben oder eine Wassermelone und schon ist man für den Rest des Nachmittags gestärkt. In den großen Städten gibt es auch Schnellimbisse, die z.B. Burger, Falafel oder gegrillte Hähnchen anbieten. Wer Lust auf Süßes hat, dem seien die leckeren Backwaren in den Konditoreien empfohlen, manche Köstlichkeiten extrem süß, aber z.B. Kuchen und Muffins genau richtig.

Picknick am Tang-e Chogan im Iran

Shiraz – Persepolis – Shiraz

In Shiraz ist dann Kultur pur angesagt: der riesige alte Vakil Basar, daneben die Vakil Moschee, welche 1773 vollendet wurde und dem tollen Vakil Badehaus mit mehreren Kuppeln und vielen Fresken. Im Zentrum der Stadt steht die alte Festung Karim Khan, an den Mauerecken befinden sich jeweils 15 m hohe Türme und im Inneren der Residenz findet man Grünanlagen und Wasserbecken.

Schiraz in der Moschee

Schiraz Moschee

Das Shah Sheragh Heiligtum enthält den drittheiligsten Schrein der Schiiten im Iran und normalerweise ist der Besuch des Innern des Schreins nur Muslimen gestattet… Auch der Besuch des Hafis Mausoleums ist Pflichtprogramm, ist er doch der größte Dichter des Iran, den sogar Goethe sehr verehrt hat. Noch immer ist dies ein Pilgerort mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Natürlich stand auch die Besichtigung mehrerer arabischer Gärten auf dem Plan, die mit ihrer ausgeklügelten Wasserarchitektur immer sehr schön anzuschauen sind.

Für die meisten Touristen ist jedoch der Besuch der alten Königsstadt Persepolis der Hauptgrund für ihren Besuch. Um 518 v Chr. gründete König Darius diese Repräsentationshauptstadt , welche 55 km nördlich von Shiraz liegt. Die Terrasse mit den Palastbauten erstreckt sich über eine Fläche von 455 auf 300 Meter und man erreicht sie über eine doppelläufige Freitreppe und das Tor aller Länder. In der zentralen Halle des daran anschließenden Apadana Palastes empfing der König seine Besucher. Sehr interessant sind die Darstellungen der Delegationen der verschiedenen Reichsvölker, welche ihre Geschenke darbieten. In der Nähe von Persepolis, in Naqsh-e Rostam befinden sich die Felsgräber der achämenidischen Könige. Nordöstlich davon kommt man zum ehemaligen Residenzpalast und zum Grabmal Kyros des Großen.

Naqsh-i Rustam im Iran

Persepolis

Schiraz in der Moschee

 

Zum Abendessen gehen wir immer in Restaurants, teilweise recht einfach, teilweise mit tollem Ambiente, z.B. in einem alten Badehaus oder im Innenhof eines traditionellen Bürgerhauses. Die persische Küche an sich ist recht abwechslungsreich und lecker, jedoch wird sie meist nur zu Hause zubereitet. Wenn Iraner essen gehen, dann lieben sie Grillspieße, sog. Kebabs, mit Huhn, Rind oder Lamm(Hackfleisch), dazu Reis, ein paar eingelegte Gurken, vielleicht noch einen Salat oder einen Joghurt dazu. Die bekommt man überall und die Qualität ist auch meist sehr gut, aber jeden Tag Grillspieß ist nicht wirklich spannend 😉 Manchmal gibt es aber auch sehr schmackhafte persische Gerichte, z.B. eine Soße aus Granatäpfeln und Walnüssen oder Lammeintopf mit Kichererbsen oder Auberginenmuss mit Joghurt.

Junge Frauen im Iran

Mausoleum von Hafez in Schiraz

Schiras Vakil Moschee

Nasir-ol-Molk Moschee in Schiras

Glücklicherweise sind wir am vorletzten Abend bei Sanai und seiner Familie in Teheran zum Abendessen eingeladen und dürfen das Haus und das Leben einer ganz normalen iranischen Familie kennenlernen. Für Frauen (auch für Touristinnen!) ist das Tragen eines Kopftuches im öffentlichen Bereich Pflicht und per Dekret verordnet. Bei vielen Frauen auf der Straße, besonders in den großen Städten, bedeckt das Tuch jedoch nur noch ca. ein Drittel der Haare und die alles verhüllenden Mäntel werden auch immer kürzer und taillierter. In der Wohnung, also im privaten Bereich, fühlt man sich wie in Europa: normale Hose, Strickpulli mit Ausschnitt, kein Kopftuch, Hände schütteln auch bei Männern etc. Schrankwand, Couchgarnitur, Esstisch. Aber eine riesengroße Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit.

Auch auf der Straße werden wir sehr oft angesprochen und angelächelt. „“Where are you from?““ und „“Welcome in Iran““ haben wir sehr oft gehört. Viele Menschen sprechen auch ein paar Worte Deutsch, waren selbst schon einmal in Deutschland oder haben mind. einen Verwandten, der dort lebt.

Yazd

Nach zwei Nächten in Shiraz geht es weiter durch eine grandiose Hochgebirgswüste in die Wüstenstadt Yazd in der die alten, mit Lehm verkleideten Häuser, noch sehr gut erhalten sind. Wir wohnen hier in einem umgebauten Bürgerhaus mit schönem Innenhof mitten in der Altstadt. Yazd ist bekannt durch seine Windtürme, die im heißen Wüstenklima die Häuser früher klimatisiert haben. Durch die noch immer erhaltenen Quanate (Wasserleitungen) entstand hier im zentralen Hochland auf 1200 m Höhe eine richtige Oasenstadt in der Obst, Granatäpfel, Pistazien und Melonen gedeihen. Die Geschichte der Wasserversorgung ist im Wassermuseum gut aufbereitetet. Sehenswert ist auch die Jame Moschee im Zentrum der Stadt, besonders der Eingangsdiwan überzeugt durch seine Fliesenmosaiken. Auch der Dowlatabad Garten mit dem höchsten Windturm in der Stadt ist in jedem Fall einen Besuch wert. Wenn möglich sollte man hier auch eine Zurkaneh besuchen. Anschließend stärken wir uns in der besten Konditorei der Stadt.

Unterwegs nach Yazd

Türme des Schweigens in Yazd

Zarathustrisches Erbe findet man im Feuertempel und an den Schweigetürmen etwas außerhalb der Stadt. Feuer, Erde, Wasser und Luft mussten rein gehalten werden und deshalb wurden die Toten dort ausgesetzt und den Geiern überlassen.

Windtürme in Yazd

Saheb Azaman Club in Yazd

 

Isfahan

Nach dem Besuch in Yazd fahren wir über Nain, wo wir noch eine winzige Teppichweberei besuchen, in die für mich schönste Stadt des Iran, nach Isfahan. Der dortige Imam-Platz gehört zum Weltkulturerbe und ist der zweitgrößte Platz der Welt, ein wunderschönes Ensemble, flankiert von der der Imam Moschee, deren Hauptkuppel 54m hoch ist, ein Meiserwerk islamischer Baukunst, der herrlichen Kuppel der Lotfullah Moschee, vom Ali Quapu Palast und dem großen Basar. Es gibt in der Stadt weitere Paläste und tolle Gartenanlagen. Dazu gehören der Chehel Sotun Palast mit seinen Spiegelmosaiken und großen Wandgemälden und der Hasht Behesht Palast mit Harem und schönem Freskenschmuck.

Isfahan Khaju Brücke

33 Bogen Brücke, Brücke, Iran, Isfahan, Si-o-seh Pol Brücke

33 Bogen Brücke, Brücke, Iran, Isfahan, Si-o-seh Pol Brücke

Eine Reise durch die persische Architektur – und Kunstgeschichte bedeutet der Besuch der Jame Moschee, auch vier Iwan Moschee genannt. Außerdem ist die Stadt bekannt für ihre Brücken. Diese Brücken sind ein Ausflugsort für die Einheimischen, man spaziert dort, macht Picknick, fährt Tretboot und genießt den Tag – eine sehr schöne, entspannte Atmosphäre. Und seit Anfang November fließt auch wieder Wasser unter den Brückenbögen hindurch. Hier sind wir im schönen Isfahan Traditional Hotel untergebracht, zwei renovierte Traditionshäuser mit Dachterrasse und Innenhöfen und grandiosem Speisesaal, nur ca. 500 m vom großen Platz entfernt. Ein Besuch lohnt auch das Hotel Abbasi, z. Bsp. für den Nachmittagstee, welches aus einer ehemaligen Karawanserei entstanden ist. Zum Abschluss besuchen wir die armenische Vank Kathedrale, ein Kuppelbau mit persischen, byzantinischen und europäischen Architekturelementen und vielen Wandmalereien mit Szenen aus dem alten Testament.

Picknick Iran, Isfahan, Khaju Brücke

Iran, Isfahan, Naghshe Jahan Square

Iran, Isfahan, Naghshe Jahan Square

Iran, Isfahan, Vank Kathedrale

Iran, Isfahan, Naghshe Jahan Square

Abyaneh

Fast neigt sich unser Urlaub hier schon dem Ende zu, am vorletzten Tag machten wir noch einen Abstecher in eine der vielen Berglandschaften und übernachten in dem kleinen Dorf Abyaneh, welches hingestreut an einem Berghang liegt. Hier tragen die einheimischen Frauen keinen Chador, sondern weiße Tücher mit Rosenmotiv, die meisten sind dem zarathustrischen Glauben treugeblieben und sprechen noch einen altertümlichen Dialekt.

Abyaneh, Iran

Abyaneh, Iran

Am nächsten Morgen führt uns unser Weg über Kashan wo wir noch einige wunderschöne Bürgerhäuser besichtigen. Hier lohnt sich bestimmt auch ein etwas längerer Aufenthalt.

Teheran

Dann fahren wir zurück nach Teheran mit einer letzten Übernachtung, noch ein paar letzte Besichtigungen (Golestan Palast und Nationalmuseum) und schon müssen wir zum Flughafen, wo unser Flug nachts um 3 h startet.

Iran, Kashan altes Herrenhaus

Iran, Kashan altes Bad

Golestan Palace, Iran, Teheran

Bis wir alle Eindrücke verdaut haben wird es sicher noch Tage und Wochen brauchen, aber wir konnten uns einen kleinen, sehr positiven Eindruck verschaffen von einem Land mit jahrtausendealter Kultur und seinen netten Menschen. Die Entscheidung, in den Iran zu fahren, hat mich ehrlich gesagt, vorher schon etwas Überwindung gekostet, aber ich habe sie keine Minute bereut, ganz im Gegenteil.